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Interview

  • "Hermann Kallenbach - Mahatma Gandhi's Freund in Suedafrika"
    Interview und Moderation: Alexandra Kasjan, Aviv Russ
    16.9.2011 - "Kol Berlin - Stimme Berlins"

Kasjan: Hallo! Mein Name ist Alexandra Kasjan. Ich bin Magister der Judaistik und Kulturwissenschaft und habe im Berliner Anti-Kriegs-Museum Christian Bartolf kennengelernt und zu einem Radiointerview eingeladen. Christian Bartolf ist Sozialwissenschaftler und ehrenamtlicher Vorsitzender des Gandhi-Informations-Zentrums, eines für Bildung gemeinnützigen Vereins mit Sitz in Berlin. Er kreiert Ausstellungen zur "Ideengeschichte des gewaltfreien Widerstands" in Zusammenarbeit mit dem Anti-Kriegs-Museum, zum Beispiel über Mahatma Gandhi, Martin Luther King, Leo Tolstoi, Carl von Ossietzky und aktuell über Rabindranath Tagore, mit Originalton- und -filmdokumenten - eine Ausstellung, die noch bis zum 7. November zu sehen und sehr empfehlenswert ist. Herr Bartolf, heute würde ich gerne mit Ihnen über einen besonderen Menschen sprechen, dessen außerordentliche Bedeutung bislang kaum wahrgenommen wurde, zumindest im deutschen Sprachraum leider nicht. Gemeint ist der deutsch-jüdische Architekt und Baupionier aus Johannesburg, Südafrika, Hermann Kallenbach, der von 1871 bis 1945 lebte und in die Geschichte einging als der engste Freund und Mitarbeiter von Mahatma Gandhi in Südafrika. Sie haben im Jahr 1997 eine Biografie veröffentlicht mit dem Titel "Hermann Kallenbach. Mahatma Gandhis Freund in Südafrika" in deutscher und in englischer Sprache, zusammen mit Kallenbachs Großnichte Dr. Isa Sarid aus Haifa. Und das Buch wurde in Israel gedruckt und hat internationale Anerkennung und Verbreitung gefunden; denn es wurde mittlerweile von vielen Autoren aus Großbritannien, Indien, Südafrika und den USA zitiert. Wie kam es zu Ihrer deutsch-israelischen Kooperation überhaupt?

Bartolf: Also das begann damals als ein Gemeinschaftsprojekt von Rabbinern für den Frieden, dem Palästinensischen Zentrum zum Studium der Gewaltfreiheit, dem Internationalen Versöhnungsbund (Israelischer Zweig) und der französischen Arche-Gemeinschaft in Tradition von Gandhi: Als ich nach meinem Studium im Herbst 1987 unsere dreisprachige Ausstellung über Mahatma Gandhi im Ökumenischen Zentrum Tantur zwischen Bethlehem und Jerusalem eröffnete -- da begegnete ich bei der Ausstellungseröffnung der damals 66-jährigen, heute 90-jährigen Frau Dr. Sarid, die mich in ihr Heim auf den Berg Carmel in Haifa einlud. Dort besuchte ich sie acht Mal, weil ich gebeten wurde, ihr Privatarchiv zu organisieren und danach sogar eine einführende Biografie über ihren Großonkel Hermann Kallenbach zu verfassen. Frau Dr. Sarid hatte ihren alten Großonkel, den sie "Onkel Hermann" nannte, betreut und zusammen mit ihrer Mutter Hanna Lazar unterstützt, das war als Kallenbach in seinen letzten Lebensjahren nach seinem zweiten Besuch bei Gandhi in Indien an Malaria erkrankt war. Hanna Lazar, die Mutter von Dr. Sarid, hatte ebenfalls, nämlich im Jahr 1938 Gandhi in seinem Ashram in Sevagram in Zentralindien besucht, und sie hatte ihrer Tochter viel darüber erzählt. Die ganze Wohnung der Sarids war voll mit Erinnerungsstücken und Textdokumenten sowie einer Bibliothek, die mit Hermann Kallenbach verbunden war. Ich war damals ein junger Wissenschaftler, der aufgrund seiner deutschen Sprachkenntnisse und seines Interesses für Leo Tolstoi gebeten wurde, das langjährige Familienprojekt zu unterstützen: nämlich die Kallenbach-Biografie.

Kasjan: Ja, ich habe in den vergangenen Tagen Ihre Biografie gelesen und mir ist dabei vor allem aufgefallen, dass sowohl Gandhi als auch Kallenbach sehr stark von Tolstoi beeindruckt waren und in ihrer Handlungsweise beeinflusst wurden - sie waren praktisch Erben und Nachfolger des gewaltfreien Denkers und Sozialkritikers Leo Tolstoi, den viele allein als Romanschriftsteller kennen und verehren. Aber fangen wir von Beginn an und werfen wir ein Licht auf Kindheit und Jugend von Hermann Kallenbach: Er stammt ja aus einer interessanten jüdischen Familie aus dem Memelgebiet und wurde in einer Kleinstadt geboren und wuchs in einem Dorf im heutigen Litauen auf, nämlich Rusne, das damals Russ hieß, und zwar war er der Sohn eines ehemaligen Hebräisch-Lehrers, der später Besitzer einer Dampf-Schneidemühle und Holzhandlung wurde. Kallenbach hatte fünf Brüder und eine Schwester, die er sehr mochte und der er später einen ausführlichen, von Ihnen dokumentierten Brief zusandte über den Epischen Marsch von Gandhi, der zeigt, dass Kallenbach entscheidend beigetragen hat zum Erfolg und zur Berühmtheit von Mahatma Gandhi in Südafrika. Vielleicht lesen Sie uns doch einfach vor, was Gandhi selbst darüber geschrieben hat.

Bartolf: Ja, dieser Epische Marsch begann am 6. November 1913, als 2.037 Männer, 127 Frauen und 57 Kinder zusammen beteten und die Grenze zwischen Natal und Transvaal zwischen Charlestown und Volksrust überschritten, um gegen die ungerechten Gesetze der britischen Kolonialmacht zu demonstrieren, welche das Aufenthaltsrecht der Inder in Südafrika einschränkte. Streiks von Vertragsarbeitern begleiteten den Epischen Marsch. Dieser Marsch richtete sich gegen unerträgliche Steuerlasten und Diskriminierungen, so dass er zum Symbol des erfolgreichen zivilen Ungehorsams der Inder unter Anleitung von Mahatma Gandhi wurde. Was die wenigsten wissen, ist jedoch, dass Gandhi währenddessen drei jüdische Mitarbeiter hatte, die diesen und anderen Aktionen des gewaltfreien Widerstands zum Erfolg verhalfen. Diese drei Mitarbeiter waren einmal der englische Rechtsanwaltskollege von Gandhi, Henry Polak, die spätere Lehrerin Fräulein Sonia Schlesin und Hermann Kallenbach, der Baupionier und Architekt aus Johannesburg - Kallenbach verhinderte ein Massaker, das europäische Siedler auf einer Versammlung vorbereiten und an den Indern begehen wollten, und ermöglichte auf diese Weise den großen Erfolg des Epischen Marsches - Gandhi begründet dies in seiner ersten Autobiografie über seine Zeit in Südafrika selbst ausführlich - Gandhi schreibt wörtlich: "Mr. Kallenbach wohnte dieser Versammlung bei, um mit den Europäern vernünftig zu reden. Die Europäer waren jedoch nicht bereit, ihn anzuhören. Tatsächlich standen einige von ihnen gegen ihn auf, um ihn anzugreifen. Mr. Kallenbach ist ein Athlet, der seine sportliche Ausbildung aus den Händen von [Eugen] Sandow empfangen hat, und es war nicht leicht, ihn einzuschüchtern. Ein Europäer forderte ihn zu einem Duell heraus. Mr. Kallenbach erwiderte: "Da ich die Religion des Friedens angenommen habe, kann ich die Herausforderung nicht akzeptieren. Wer will, kann kommen und mir das Schlimmste antun. Aber ich werde unbeirrt darin fortfahren, auf dieser Versammlung Gehör zu beanspruchen. Sie haben öffentlich alle Europäer eingeladen, dieser Versammlung beizuwohnen, und jetzt bin ich hier, um Sie darüber zu informieren, dass nicht alle Europäer wie Sie dazu bereit sind, mit Gewalt Hand an die unschuldigen Menschen zu legen. Es gibt einen Europäer [:mich!], der Sie darüber informieren möchte, dass die von Ihnen gegen die Inder erhobenen Anklagen und Vorwürfe falsch sind. Die Inder wollen nicht tun, was Sie ihnen unterstellen, tun zu wollen. Die Inder sind nicht darauf aus, Sie in Ihrer Stellung als Regenten herauszufordern. Sie wollen nicht mit Ihnen kämpfen oder Ihr Land bevölkern. Sie suchen ganz einfach Gerechtigkeit, nicht mehr. Sie haben vor, den Transvaal zu betreten, nicht etwa mit einer Perspektive, dort zu siedeln, sondern nur als eine wirkungsvolle Demonstration gegen die ungerechte Steuer, die ihnen aufgebürdet wird. Sie sind tapfere Menschen. Sie werden Sie weder persönlich noch in Ihrem Eigentum verletzen, sie werden nicht mit Ihnen kämpfen, aber den Transvaal betreten werden Sie, selbst im Angesicht Ihres Gewehrfeuers. Sie sind nicht die Menschen, die sich zurückziehen aus Furcht vor Ihren Gewehrkugeln oder Ihren Speeren. Sie haben vor, und ich weiß, Sie werden: Ihre Herzen rühren durch freiwillig auf sich genommenes Leiden. Dies ist alles, was ich Ihnen zu sagen habe. Ich bin zu Wort gekommen, und ich nehme an, dass ich Ihnen damit einen Dienst erwiesen habe. Hüten und bewahren Sie sich davor, Unrecht zu begehen." Mit diesen Worten nahm Mr. Kallenbach wieder seinen Platz ein. Das Publikum war eher beschämt. Der Kämpfer, der Mr. Kallenbach zum Einzelduell herausgefordert hatte, wurde sein Freund." (Gandhi: Satyagraha in South Africa, Kapitel 44 - CWMG, Bd. 29, S. 240f.)

Kasjan: Dabei war Hermann Kallenbach ein von der Bauhaus-Schule geprägter Architekt, der mit großem Erfolg in den Städten Johannesburg, Durban, Kapstadt und Pretoria öffentliche Gebäude entwarf und baute, nämlich Geschäftsgebäude für Warenhäuser, Mietwohnungen, aber auch religiöse Gebäude, zum Beispiel Synagogen und Kirchen. Er begegnete sogar persönlich Walter Gropius und Erich Mendelsohn. Zudem war er ein muskulöser Athlet, der zum Beispiel sehr gerne Schlittschuh lief und auch dem Luxus nicht abgeneigt war. Das war auch der Beginn seiner Freundschaft mit Gandhi: der Geschäftsmann war fasziniert von dem indischen Rechtsanwalt, weil er die Botschaft von Buddha und später Tolstoi sehr gerne beherzigen wollte, nämlich eine einfache Lebensweise und gute Taten für die Mitmenschen, die diskriminiert wurden und Unterstützung benötigten. Kallenbach hat seinem Bruder Simon gegenüber ja dazu treffende Worte über Tolstoi geschrieben, die ich in Ihrer Biografie gefunden habe: [Zitat] "Was Tolstoy will + wonach auch ich strebe, ist, das richtige zu erkennen + ohne Störung meiner Mitmenschen, so weit dieses möglich ist, demgemäß zu leben. Ansichten geben, Rat erteilen + Weltverbesserer werden, mag das Ideal vieler sein, ist jedoch nicht Tolstoy's. Er sagt: "Lebe richtig, nachdem du das richtige erkannt hast." Jeder nach der Fähigkeit seines Erkennens. Störe niemals Deinen Mitmenschen. Führe praktisch aus, was Du theoretisch für richtig befindest. Friedrich der Grosse soll gesagt haben: "Jeder muss nach seiner eigenen Façon seelig werden"; demgemäß wird jeder praktisch das richtige ausführen, so weit sein Verständnis, sein Mut, seine Energie + seine Lebensverhältnisse es ihm gestatten. Theoretisch das richtige erkennen, d[as] i[st] was Tolstoy uns lehren will + nicht allein durch seine Bücher, sondern auch durch sein Leben (...)" [Zitat Ende] (Brief von Hermann Kallenbach an seinen Bruder Simon Kallenbach, 27.8.1910) Praktisch bedeutet das den Aufbau der Tolstoi- Farm in der Nähe von Johannesburg für die indischen Familien, deren Angehörige als Widerstand Leistende im Gefängnis waren. Wie können wir uns die Tolstoi-Farm vorstellen?

Bartolf: Tolstoi-Farm ? Gandhi schreibt darüber in seiner Wochenzeitschrift "Indian Opinion": "Die [Tolstoi-]Farm misst über [445 Hektar], also zwei Meilen lang und eine dreiviertel Meile breit. Sie liegt in der Nähe der Bahnstation von Lawley, 22 Meilen von Johannesburg entfernt. Um von der Bahnstation zur Farm zu gehen, braucht man 20 Minuten. Mit der Eisenbahn dauert es im allgemeinen ungefähr anderthalb Stunden, um sie von hier aus zu erreichen. Der Erdboden scheint fruchtbar zu sein. Auf der Farm wachsen ungefähr eintausend fruchttragende Bäume. Es gibt dort Pfirsichbäume, Aprikosen-, Feigen-, Mandel- und Wachtelbäume. Die Farm hat zwei Brunnen und eine kleine Quelle. Die Landschaft ist schön. Am Kopfende ist ein Hügel und mehr oder weniger ebenes Land am Fussende. (...) Dies ist eine sehr wichtige Unternehmung. Ihre Wurzeln reichen tief, es ist die Aufgabe der Satyagrahis, die dort siedeln, durch ihre Lebensweise süsse Früchte daraus entstehen zu lassen." (Indian Opinion, 18.06.1910 - CWMG, Bd. 10, S.272)

Kasjan: Ja, zur Bedeutung des Wortes "Satyagrahi" und "Satyagraha" sollte man folgendes wissen: Gandhi hatte in einem Preisausschreiben ein neues Wort für seinen gewaltfreien Widerstand gesucht und seinen zivilen Ungehorsam. Es waren ja die demütigenden und menschenverachtenden Gesetze der britischen Kolonialmacht, die mit Kopfsteuer, Eheannullierung, Aufenthaltsrechtsentzug etc. die indischen Vertragsarbeiter zu "Kulis", also Tagelöhnern, degradierten und ihren Widerstand geradezu herausforderten. So wurde der Rechtsanwalt Mahatma Gandhi zum politischen Anwalt und Ankläger, der das Unrecht weltweit bekannt machte, so dass sogar der greise Schriftsteller Tolstoi ihn ermutigte, sein geistiges Erbe anzutreten, nämlich: die Wahrheit über das Unrecht zu veröffentlichen und durch organisierte Nicht-Zusammenarbeit, "non-cooperation", dem Recht zum Erfolg zu verhelfen. Und das neue Wort aus dem indischen Sprachraum bedeutet was?

Bartolf: "Wahrheit (satya) schließt Liebe ein, und Festigkeit (agraha) erzeugt Kraft und ist daher gleichbedeutend mit dieser. So begann ich, die indische Bewegung 'Satyagraha' zu nennen, was bedeutet, die Kraft, die aus der Wahrheit und der Liebe oder der Gewaltfreiheit geboren ist, und ich gab den Gebrauch des Ausdrucks 'passiver Widerstand' in Verbindung damit auf, so dass wir es sogar im Englischen oft vermieden und stattdessen das Wort 'satyagraha' selbst oder einen anderen englischen Ausdruck gebrauchten. Dies war die Genesis der Bewegung, die als Satyagraha bekannt wurde, und die Entstehung des Wortes als Bezeichnung dafür." (Gandhi: Satyagraha in South Africa, Kapitel 12 - CWMG, Bd. 29, S. 92 f.)

Kasjan: Kallenbach fand ja zum Abschied am 14. Juli 1914 für die gemeinsamen Jahre des Widerstands mit Gandhi wunderbare Worte - ich erinnere mich, dass das Abschiedsbankett im Freimaurersaal in Johannesburg zu Ehren von Gandhi, dessen Frau Kasturba und Hermann Kallenbach gegeben wurde von ganz unterschiedlichen Bevölkerungsrepräsentanten: der Vereinigung der Britisch-Inder, der Vereinigung der Chinesen, der Wohltätigkeitsgesellschaft der Tamilen, der Vereinigung der indischen Frauen im Transvaal und der Gemeinden der indischen Moslems und der Parsen. Und Hermann Kallenbach bedankt sich bei all diesen von den Briten unterdrückten Asiaten - ich zitiere: "Sie liessen mich meine eigene Religion besser verstehen, Sie liessen mich mein eigenes Volk stärker lieben. Sie haben mir geholfen, weniger arrogant zu sein, weniger schwerfällig, und sie ließen mich wahrhaftiger werden."

Bartolf: Ja, Kallenbach ist auf dem Friedhof des ältesten Kibbuz in Israel begraben, im Kibbuz Degania, in der Nähe des Grabes des von Tolstoi inspirierten Zionisten Aharon David Gordon: Das Epitaph von Kallenbach lautet: "Erinnert gut / Fordert Gerechtigkeit / Geht Aufrecht". Und Gandhi schrieb nach Kallenbachs Tod im Jahr 1945: "A truly good man has left us." (Ein wahrhaft guter Mensch hat uns verlassen.) (Gandhi über Kallenbach an Sonia Schlesin, 13. Mai 1945) Aber das Zitat von Gandhi über Kallenbach, das mich am meisten zum Nachdenken brachte, ist die Stelle eines Briefes, den Gandhi an Kallenbach schrieb. Denn Kallenbach war von den Briten auf der Isle of Man als deutscher Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg interniert. Gandhi schrieb also an Kallenbach: (Im Original): "Your life there must be a model for the others. How I would love to think that you are there vindicating your German birth, your ancestral faith and our joint ideals. You vindicate the first two if you realise the third. And I know you will not fail." (Und in der Übersetzung): "Dein Leben dort muss ein Modell fuer die anderen sein. Wie gerne moechte ich daran denken, dass Du dort Deine deutsche Herkunft, den Glauben Deiner Vorfahren und unsere gemeinsamen Ideale unter Beweis stellst. Du bestaetigst die ersten beiden, wenn Du die dritten verwirklichst. Und ich weiss, dass Du nicht scheitern wirst." (Brief von Gandhi an Kallenbach, 22. Juli 1916) Was bedeutet, dass Gandhi folgendes meint: Kallenbach bestätigt seine deutsche Herkunft und den jüdischen Glauben seiner Vorfahren dadurch, dass er die gemeinsamen Ideale verwirklicht: zum Beispiel gewaltfreier Widerstand zur Wahrheit - Satyagraha.

Kasjan: Darum wurde für Hermann Kallenbach gerade aufgrund seiner jüdischen Identität Palästina zu einem immer wichtigeren Thema. Angesichts der Nazi-Diktatur in Deutschland und dem verbreiteten Antisemitismus, auch in Südafrika, verhalf er seiner jüdischen Familie und Bekannten zur Auswanderung aus Deutschland und zeigte immer mehr Sympathie und Interesse an der Zionistischen Jugendbewegung in Mittel- und Osteuropa. Er wurde Mitglied der Zionistischen Föderation Südafrikas. Darüber hinaus unterstützte er den Palästina-Grundfonds "Keren Hayesod" und den Jüdischen Nationalfonds "Keren Kayemet". Durch Grundstücksverkäufe in Südafrika verhalf er jungen Juden finanziell, die Universität zu besuchen und ein Beruf zu erlernen. Zudem wurde er von Chaim Weizmann persönlich gebeten, Gandhi zu einer pro-zionistischen Stellungnahme zu bewegen. So besuchte er Palästina und danach Gandhi in Indien zweimal, 1937 und 1939, um dort an politischen Konferenzen teilzunehmen, in denen es um die Zukunft Palästinas ging. Für diejenigen, die sich für Hermann Kallenbachs Biographie interessieren. Das Buch ist über das Gandhi-Informations-Zentrum direkt zu beziehen oder über den Buchhandel und im Verzeichnis lieferbarer Bücher oder in großen Bibliotheken oder über Fernleihe zu finden. So haben wir heute in den vergangenen Minuten einiges über Hermann Kallenbach erfahren, den Freund und Mitarbeiter von Mahatma Gandhi in Südafrika - Herr Bartolf, vielen Dank für das Gespräch! Mein Name ist Alexandra Kasjan.