“Aber es handelt sich um eine ernste Wahl bei dieser Angelegenheit. Man muss aus dem Geschöpf entweder ein Werkzeug oder einen Menschen machen. Man kann nicht beides tun. Menschen wurden nicht geschaffen, um mit der Genauigkeit von Werkzeugen zu arbeiten, und in allen ihren Ausführungen korrekt und vollkommen zu sein. Wenn man nun diese Genauigkeit von ihnen verlangt, und ihre Finger Entfernungen abmessen sollen wie Zahnräder, und ihre Arme Kurven schlagen wie Zirkel, dann muss man sie unmenschlich machen. Ihre ganze Energie muss darauf gerichtet sein, Zahnräder und Zirkel aus sich zu machen. Ihre ganze Aufmerksamkeit und Kraft muss auf die niedrige Tätigkeit verwandt werden.

Das Auge der Seele muss auf die Fingerspitze gerichtet sein, und die Kraft der Seele muss alle die unsichtbaren Nerven erfüllen, die sie zehn Stunden lang täglich leiten, so dass sie nicht von ihrer stählernen Genauigkeit abweicht, und so werden Seele und Auge abgenutzt, und das ganze menschliche Wesen verliert sich schließlich – in einen Haufen Sägespäne, soweit es seine intellektuelle Arbeit in dieser Welt betrifft; und es wird nur durch sein Herz gerettet, das nicht die Form von Zahnrädern und Zirkeln annehmen kann, sondern sich, wenn die zehn Stunden vorüber sind, zu häuslicher Menschlichkeit entfaltet. Wenn man dagegen einen Mann aus dem arbeitenden Geschöpf machen will, dann kann man kein Werkzeug aus ihm machen. Sobald er anfängt, sich etwas vorzustellen und auszudenken, oder versucht, etwas zu tun, was der Mühe lohnt, sobald ist es mit der maschinenmäßigen Genauigkeit vorbei.“

THE STONES OF VENICE – BOOK SIX – The Nature of Gothic – paragraph 12

John Ruskin: Gothic Capitals (1851-52)